Die American Association on Intellectual and Developmental Disabilities (AAIDD, 2022) definiert geistige Behinderung über „significant limitations in both intellectual functioning and adaptive behavior that originates before the age of 22“.
Medizinische Klassifikationssysteme wie die International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD, 10th Revision) oder das Diagnostische und Statistische Manual psychischer Störungen (DSM-5) greifen bei der Beschreibung einer geistigen Behinderung auf das Konstrukt adaptiver Kompetenzen zurück.

Adaptives Verhalten – und seine Ausdrucksform in adaptiven Kompetenzen – stellt sich somit als zentraler Aspekt in der Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs dar. Die Ausprägung der adaptiven Kompetenzen, die laut Definition zum Teil erlernbar sind, hat zudem Auswirkungen auf die individuelle Förderplanung der Kind und Jugendlichen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

Adaptive Fähigkeiten sind die erlernten konzeptuellen, sozialen und praktischen Fertigkeiten, die Menschen benötigen, um sich selbstständig im Alltag zurechtzufinden, sich an neue Situationen anzupassen und gesellschaftliche Anforderungen zu erfüllen, was zentral für die Lebensqualität und Autonomie ist. Sie umfassen Problemlösung, Kommunikation, Selbstversorgung und das Verständnis von Zeit und Geld und sind entscheidend für die persönliche Entwicklung, besonders bei Herausforderungen wie intellektuellen Beeinträchtigungen. 

Hauptbereiche adaptiver Fähigkeiten

  • Konzeptuelle Fähigkeiten: Lesen, Schreiben, Rechnen, Selbststeuerung, Verständnis für Geld und Zeit.
  • Soziale Fähigkeiten: Kommunikation, Aufbau von Beziehungen, Verständnis sozialer Normen, Empathie.
  • Praktische Fähigkeiten (Lebenspraktische Fertigkeiten): Selbstversorgung (Hygiene, Essen), Mobilität, Gesundheitsvorsorge, Haushaltsführung, Arbeitsfertigkeiten. 

Beispiele für adaptive Fähigkeiten im Alltag

  • Anpassung: Sich auf veränderte Arbeitsanforderungen einstellen, neue Strategien entwickeln.
  • Problemlösung: Unerwartete Hindernisse überwinden, alternative Lösungen finden.
  • Emotionale Regulation: Gelassen bleiben unter Druck, konstruktives Feedback nutzen.
  • Alltag: Einkaufen, Zähneputzen, Fahrpläne lesen, pünktlich sein. 

Bedeutung

  • Autonomie: Ermöglichen selbstständiges Leben und Entscheidungen.
  • Lebensqualität: Sind wichtiger für die Bewältigung des Alltags als reine Intelligenz.
  • Entwicklung: Werden kontinuierlich in verschiedenen Lebensphasen weiterentwickelt. 

Neben dem Intelligenzquotienten und der zentralen Exikutive ist das Adaptive Verhalten zentrales Instrument zur Abgrenzung des Förderschwerpunktes „Geistige Entwicklung“. Erhoben wird dies in der Regel mit Fragebögen für Erzieher, Lehrkräfte und Eltern, die ein Kind kontinuierlich begleiten.
(Vineland 3)