Differenzierung in der Schule ist ein didaktisches Prinzip, das Lernende trotz unterschiedlicher Voraussetzungen (Heterogenität) individuell fördert.

Sie passt Unterrichtsinhalte, Methoden, Medien und das Tempo an Fähigkeiten und Interessen an.

Man unterscheidet primär zwischen innerer Differenzierung (Binnendifferenzierung im Unterricht) und äußerer Differenzierung (Kurse, Schulformen)

Innere Differenzierung (Binnendifferenzierung): Diese findet im Klassenverband statt.

  • Niveaudifferenzierung: Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden (z. B. Pflicht- und Wahlaufgaben).
  • Methodendifferenzierung: Wahl der Arbeitsform (z. B. Stationenlernen, Lerntheke, Freiarbeit).
  • Zeitdifferenzierung: Anpassung an das individuelle Lerntempo.
  • Interessendifferenzierung: Berücksichtigung der Neigungen der Lernenden.

Äußere Differenzierung: Dauerhafte Einteilung der Schüler in Lerngruppen, z. B. durch Fachleistungskurse oder Schulformwechsel. 

Natürliche Differenzierung

Das Konzept der natürlichen Differenzierung fokussiert darauf, dass der Lerngegenstand ganzheitlich erarbeitet wird und beachtet, dass sich hier “in natürlicher Weise” unterschiedliche Schwierigkeitsniveaus und Zugänge ergeben (Krauthausen, Scherer 2014: 49 f.; Wittmann 2010). Die Merkmale der natürlichen Differenzierung sind

  • Alle erhalten das gleiche Lernangebot, dass durch eine niedrige Eingangsschwelle den Zugang für alle ermöglicht und zugleich “Rampen” für Leistungsstarke ermöglicht (dies ist die Grundlage für “Lernen am gemeinsamen Gegenstand” (Feuser 2011: 87))
  • Das Angebot erfüllt das Kriterium der (inhaltlichen) Ganzheitlichkeit (die Komplexität und Vielschichtigkeit des Lerngegenstandes spiegelt sich im Angebot wieder. Kein kleinschrittiges Vorgehen)
  • Eine fachliche Rahmung ist gegeben (fachlich-kompetente Lehrperson)
  • Die Lernenden können selbst wählen, auf welchem Level (Schwierigkeitsniveau) sie sich mit dem Angebot auseinandersetzen 
  • Bearbeitungswege, Hilfsmittel, Darstellungsformen und manchmal sogar die Problemstellung selbst sind freigestellt
  • Soziales Lernen von- und miteinander findet im interaktiven Austausch über das Angebot statt (bspw. bei der gemeinsamen Erarbeitung oder in einer gemeinsamen Abschlussrunde)

Die individuellen Bedürfnisse, Kompetenzen und Interessen der Lernenden finden bei der natürlichen Differenzierung gleichermaßen Beachtung wie die fachliche Komplexität des Lerngegenstandes und der soziale Austausch. Es ist weniger die Lehrperson, die das Angebot und Möglichkeiten der Differenzierung bereitstellt, sondern vielmehr die Lernenden selbst.

Ziele:

  • Individuelle Förderung von Leistungsstarken und -schwachen.
  • Erhöhung der Lernmotivation und Reduzierung von Über- oder Unterforderung.
  • Inklusion und Chancengerechtigkeit. 
  • Förderung von Eigeninitiative, Aktivität, Sozialem Austausch.

Differenzierung erfordert eine gute Diagnosefähigkeit der Lehrkräfte, um die Lernausgangslagen richtig einzuschätzen und bei Öffnung des Unterrichtes die Einzelne/den Einzelnen weiter zu beobachten und zu begleiten. 

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